„Austausch“

Wir (Vater, Bruder und ich) begleiteten Mama – bei Himbeerkeksen, Sekt und Cola - ins neue Lebensjahr. Überreichten pünktlich um Mitternacht Blumen und weitere Geschenke. Darunter einen hochmodernen beige/dunkelblauen Tagesrucksack, den Bruder und ich mit größter Sorgfalt ausgewählt hatten. Zu unserer Freude kam dieser besonders gut bei Mutter an.

Fast eineinhalb Stunden saßen wir im engsten Familienkreis nächtlich Mama zelebrierend zusammen.


Zuvor war ich mit dem Foto unterwegs. Bei uns im Dorf fand das zentrale Ortsfest – die Kerb – statt. Aufgrund von Corona nicht vor dem Rathaus und auf dem Festplatz.
Sondern aufgrund der Corona-Vorschriften um einen Überblick zu behalten auf einem Vereinsgelände.

Tanzkinder hatten einen Auftritt. Das Blasorchester spielte. Kerbe-Burschen und Bürgermeister hielten angenehme kurze Reden. Dann übernahm eine „Gute-Laune-Band“. Die Mitsinghits von den 50ern bis heute zum Besten gab.

Karussell und andere Schausteller in diesem Jahr Fehlanzeige.
Dennoch verhungerte man dank der freiwilligen ortsansässigen Vereine nicht. Es gab Pommes Frites, Bratwurst. Einen Getränkestand. Ein Crêpe-Stand an dem man auch Gummibären-Spieße erhalten konnte.

Den Menschen merkte man an, dass sie nach diesem Ortsfest lechzten. Nach schweren Coronazeiten.
Sich miteinander austauschen. Essen und trinken in einer gemütlichen Runde. Dazu ein wenig zur Musik abzappeln und mitgrölen.

Ich freute mich mehr wie ich gedacht hätte, bekannte Personen die ich zuletzt vor Corona begegnete wiederzusehen und mich mit ihnen auszutauschen oder auf Zuruf die anwesenden Besucher zu fotografieren.


Vielleicht hatte ich erst durch dieses Ortsfest verstanden, was Corona bedeutet(e)? Welche Auswirkung dies auf Menschen hat(te)?


Die Geburtstagsfeier blieb überwiegend Überraschungslos.
Keine Verwandten, die man ewig nicht sah, tauchten auf. Noch Verwandte die kurzfristig absagten. Sieht man vom Hochzeitspaar ab, die in ihren Flitterwochen schweben.

Da es bei uns in der Verwandtschaft noch viele jüngere Kids gibt, hatten Eltern schon vor Ewigkeiten ein kleines Fußballtor besorgt. Das natürlich der absolute Renner war. Neben dem Kaufladen der schönste Zeitvertreib für die jüngsten Geburtstagsgäste war.

Welche Eltern kaufen schon für ihre kleinen Geburtstagsgäste ein Fußballtor, Kaufladen und wissen mit Spielzeug – wie Einkaufswägelchen - von vor über fünfunddreißig Jahren zu begeistern?

Ich führte Gespräche über die baldigst bevorstehenden Wahlen. Die Bundesliga und teilweise über Foto- und Lebenslust.
Lauschte interessiert meiner Cousine. Die erzählte, die 2. Klasse, die auch eines ihrer Kinder besucht, werde derzeit von einem 70-jährigen betreut. Den man speziell für diesen Fall aus seiner Pension zurückholte. Der Clou daran, der Mann hat bisher nur Seminare für Erwachsene gegeben.

Was bei der Lehrkraft, Eltern zu dem ein oder anderen Nervenzusammenbruch führte und bei den Kindern zu unnötigem Stress und jede Menge Hausaufgaben.

Nun einigte man sich, dass bis Ende des Jahres Eltern dem neuen Klassenlehrer zur Seite stehen? … Was? … das soll Schule sein? … Schulpflicht? … Man kann bis Ende des Jahres keine geeignete Lehrkraft zur Verfügung stellen?  

Mir war das für einen Geburtstagsplausch fast zu ernst.

Mama wirkte zufrieden und genoss die Geburtstagsfeier sichtlich mit ihrer Familie.

Mir gefiel besonders, dass sie uns (Vater, Bruder und mich) endlich mehr machen ließ und nicht auf alles ein Auge haben mochte.
Sondern tatsächlich am Tisch – wenn auch selbstverständlich nicht die gesamte Zeit - sitzen blieb und sich von den Geburtstagsgästen unterhalten ließ.

Dieses Wochenende hat trotz allem Spaß doch an den Kräften gezehrt.
Das schönste, es war von Lust auf Menschen und ihre Geschichten geprägt.



„Guten Tag! – Wer immer Ihr auch seid?!“

1 Kommentar 26.9.21 15:24, kommentieren

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