„Zurück auf die Erde“

Die Sonne wärmte mich, während ich am Nachmittag in Worms unterwegs war, um verschiedene Besorgungen zu erledigen.

Offenbar hatte nicht nur ich den Gedanken, dass dies möglicherweise einer der letzten wärmeren Herbsttage mit sommerlichen Temperaturen sein konnte.

Ein interessanter Kleidungsmix war bei den Stadtgängern zu beobachten.
Von Sommerkleid bis dicken Pullover alles dabei.
Ich selbst trug Jeans, T-Shirt und Weste. Ich glaube, das letzte Mal, das ich eine lange Hose trug, sieht man von Fotoaufträgen oder feierlichen Anlässen ab, muss gefühlt Ende April gewesen sein?

Der Stadtsound betörend in meinen Ohren. Das Stadtbild des sonnen durchtränkten Worms wie Magie für meine Augen.

Gutgelaunte Menschen in den Außenbereichen der Cafés. Ein Plappern und bellen vor und manchmal sogar in den Geschäften.

Auch innerhalb der Geschäfte, weder von den Mitarbeitern noch von Kunden fiel kein böses Wort. Zumindest schnappte ich keines auf. 

Dazu innerhalb der Fußgängerzone gleichmäßig verstreut einige Parteistände, die hingebungsvoll versuchten letzte Stimmen vor den Wahlen am Sonntag dingfest zu machen. Da wurden fleißig Windrädchen und Luftballons verteilt. Man konnte lesen, man wäre „offen für den Dialog“. – Ich war´s heute nicht.

Ich mochte überhaupt nicht angesprochen werden.
Meist reichte ein scharfer Blick aus oder ein einfallsloses am Straßenrand laufen, um dem ansprechen zu entgehen.

Wie in einem Film ohne Spannungsbogen fühlte ich mich während des Stadtganges.
Ich glaube, würde man auf die Idee kommen, je einen solchen Film zu drehen, ich würde ihn mir ansehen.


Dieser Septemberdonnerstag war ein Seelen-Herz-Kunstwerk.
Ich innerlich so relaxt, durchflutet von Energie und doch innerlich ruhig. Gedanken, das Alltagsrattern im Kopf abgestellt. Alles andere bis auf den gelebten Momenten um mich herum ausgeblendet. Ich war so komplett bei mir.

Das war ein Nachmittag, für den ich unglaublich dankbar bin.
Ein Nachmittag, der mich wieder als Mensch als auch aus meinen Gedankenluftschlössern zurück auf die Erde geholt hat.


Zu Hause am Küchentisch setzte sich dieses Gefühl fort.
Lachsbrötchen-Donnerstag mit der Familie. Heiterer, realer und atmosphärischer denn je. 


Offenbar mussten mein Körper und Geist all das aufgenommene Tageseindrücken und Stimmungen erst einmal verarbeiten?
Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich kaum im Schreibtischsessel vor meinen PC sitzend in einen fast vierstündigen traumlosen schlaf fiel.

 

Eigentlich mochte ich ja bewusster von Tag zu Tag leben.
Aber nachdem mitgebrachten Eindrücken und Gefühlen aus diesem Donnerstag, versuche ich was völlig Neues, ich nehme mir nichts vor und lebe.



„Guten Morgen! – Wer immer Ihr auch seid?!“

3 Kommentare 24.9.21 04:13, kommentieren

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