"Die Haltestelle im Nirgendwo"

"Toll! Zwei Stunden früher ins Wochenende starten wie geplant, viel besser geht's doch nicht! "- Denk ich so bei mir, während ich fröhlich im Siebenmeilenschritt zum Busbahnhof stampfe. Um noch den 16 Uhr 20er Bus zu erwischen.
Der Bus hält, ich löse die Fahrkarte, zieh die Mütze vom Kopf, Jacke aus, zück das Buch (derzeit: "Origin" von Dan Brown"), lass mich mit Buch und Wochenendplänen auf den Sitz fallen". - Yippie I Yeah!"

Einige schöne Minuten nimmt die Fahrt ihren unspektakulären - deshalb von mir umso mehr gemochten -Gang. - Alles wunderbar!

Plötzlich - ich stehe gerade mit Tom Langdon im Guggenheim Museum in Bilbao - werde ich aus meinen schönsten Bücherträumen herausgerissen - bremst der Bus ungewohnt scharf.
Um ein Haar, hätte ich meiner Vorderfrau, das Buch, unabsichtlich gegen den Hinterkopf gehauen.

Der Bus fährt nicht weiter!
Nicht nach fünf, zehn und auch nach einer Viertelstunde noch nicht.
Es folgt eine Durchsage des Busfahrers: "Der Bus hat einen Betriebsschaden, alle Leute müssen sofort aussteigen." - So steigen alle weiteren Passagiere und ich mitten im Nirgendwo aus.
Der glatzköpfige Busfahrer mit Nickelbrille verspricht - mit einem Hoffnungsvollen Grinsen - er bemühe sich schnellstmöglich um Ersatz.

Nach einer halben Stunde sind bereits die Hälfte der Mit-Warter weg.
Ich möchte mich nicht abholen lassen, ich hab ja vertrauen und bin sicher; gleich kommt der Bus; so wie viele andere.
Je Mehr Zeit vergeht, desto mehr Menschen flüchten von der "Haltestelle im Nirgendwo".

Mittlerweile hab ich auch Kontakt zu den anderen Ausgesetzen geknüpft. Zusammen schimpft es sich, nach der ersten Stunde warten, wesentlich leichter über den fehlenden Bus und die zunehmende Kälte.

Nach ziemlich genau zwei Stunden, taucht am Horizont ein Bus auf. Es handelt sich hierbei, um den Bus, der auf den Fahrplan mit der Abfahrtszeit 18 Uhr 20 (vom Busbahnhof) gekennzeichnet ist.

Die Erleichterung ist deutlich bei Allen zu spüren. Der Ärger und die Kälte zumindest für den Augenblick vergessen. Ein erlösendes Lächeln stiehlt sich - nicht nur bei mir - auf die Lippen.

Hektisch werden die Gegenstände zusammengekramt und schnell an der Bushaltestelle aufgestellt. Die Bustür öffnet sich. Wer sitzt da am Steuer des Buses? - Mit Glatzkopf, Nickelbrille und breitem, schelmischen Grinsen: "GENAU DER (- Der Busfahrer von vorher)"!
Uns gestrandeten wird erklärt, es sei Wochenende, man konnte deshalb keinen außer Fahrplanmäßigen Ersatzbus schicken.


Ich kann nicht behaupten, ich hätte, trotz des unplanmäßigen Aufenthaltes - an "der Haltestelle im Nirgendwo" - deshalb getobt wie Rumpelstilzchen.
Im Gegenteil, Zuhause musste ich wirklich sehr über dieses Erlebnis schmunzeln.
Das Gefühl, nach Hause zu kommen wurde mal wieder als nicht Selbstverständlich wahrgenommen. ... so ist das ganze nicht nur eine Anekdote zum erzählen, sondern hatte sogar noch was gutes.

13.1.18 23:22

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Diana (13.1.18 23:30)
Hallo, das Rumpelstilchen gestampfe stelle ich mir lebhaft vor, jaaa mal eben nach Hause ist nicht immer so einfach.
Deine Art zu schreiben gefällt mir


Marie / Website (14.1.18 14:09)
Na, da hattest Du ja ein ziemlich zeitaufwändiges, unerwartetes Erlebnis. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Du nun hinterher gut darüber lachen kannst. Im Moment selbst, ist es wohl eher nicht zum lachen.

Bei uns auf dem Land passieren auch immermal solche Dinge. Und letztendlich ist es doch gut, wenn zum Schluss alles gut ging und jeder an seinem Ziel angekommen ist.

Einen schönen Sonntag, Marie


(14.1.18 19:03)
merry-n
Für mich als Autofahrerin klingt das ja wie ein Science Fiction oder wie eine Erzählung aus einem Entwicklungsland, aber nein, du hast das im " hochzivilisierten" Deutschland erlebt. Das muss man sich mal geben! So etwas wie Kundenorientierung gibt es bei der Bahn scheinbar nicht! Kein Wunder, dass die meisten Busse, die ich sehe, mit 2-3 Fahrgästen unterwegs sind. Da hast du ja Glück gehabt, dass du dir nicht noch einen Schnupfen eingefangen hast!

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