Fastnacht & Vorsätze

Die erhoffte Anfrage, um die Fastnacht zu fotografieren kam doch noch. Worüber ich mich natürlich sehr freute. Leider hatte die verspätete Anfrage einen traurigen Hintergrund. Verstarb doch im Januar 2018, die Mutter der Hauptorganisatorin.

Die Sitzung fand erneut in einer Gaststätte statt. Da die kleine Turnhalle seit Jahren nicht für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden darf.
Rund 250 Zuschauer fanden sich zur großen Prunksitzung des kleinen Dorfes ein.

Das Trendkostüm schlechthin in diesem Jahr: "2 Broke Girls". Eine Blondine und eine Brünette (aus einer TV -Comedy-Serie) im Serviceoutfit.
Mönche sind offensichtlich auch schwer angesagt. Ebenso Feen, Mini Maus und der Klassiker Hexen. Noch nie, hab ich so wenige Clowns bei einer Fastnachtsveranstaltung wahrgenommen. Wundert mich jedoch wenig, zu oft waren die sogenannten Horror-Clowns 2017 in den Schlagzeilen.

Die Veranstaltung war sehr kurzweilig. Fünf Stunde war gute Gute-Laune Trumpf. Die Gaststätte wurde zum Hexenkessel der Narrenzunft.
Vom Funkenmariechen, über Showtanzgruppen, lustigen Sängern und Büttenrednern gab sich auf der närrischen Rostra die Klinke in die Hand.

Aufgrund der mangelnden räumlichen Kapazitäten, blieb mir nichts anderes übrig, wie in dem schmalen Gang, zwischen Umkleide und Eingangsbereich des Sitzungssaales (m)einen Platz zum fotografieren einzunehmen.
Mehr Verkehr wie dort kann auch auf keinen Hauptbahnhof herrschen. Nicht nur die Künstler tummelten sich in diesem Bereich. Sondern auch jede Menge verkleidete Jecken. Meist Jugendliche, die zwischen Bühne und Umkleide hin- und her wanderten. Als handele es sich um die neuste Trendsportart.
Anfangs ärgerte ich mich innerlich über das übertriebene Gewusel und das unabsichtliche Schubsen enorm. Da es mich jedes Mal dazu zwang den Fotoapparat abzusetzen. Dennoch hatte mein Standort seinen ganz ureigenen Charme. Da ich das Lampenfieber der Künstler vor dem Auftritt hautnah mitbekam und tiefste Erleichterung danach. Außerdem hatte ich einen super Blick auf das tosende Publikum. Den Allerneusten Klatsch und Tratsch aus den umliegenden Ortschaften gab es gratis dazu.

Nach der Sitzung wurde sofort vom DJ zum Tanz aufgespielt. Die Fastnachtswütigen Gäste ließen sich auch nicht lange bitten und verwandelten innerhalb von Sekunden, die Sitzungslocation in einen bunten Tanzsaal voller schräger Figuren. - Wo sieht man sonst Mini-Maus, ein ganzes S.W.A.T.-Team und Obelix lachend beim Macarena?
Ganz nebenbei, fand man noch Zeit, alleine, zu zweit oder als Gruppe für den Fotografen zu posieren, während man sich schwungvoll zu lustigen Beats bewegte. - Großartig.


Noch vor zehn Jahren konnte ich wenig mit der Fastnacht anfangen. War mir das ganz übel suspekt.
Heute möchte ich das närrische Treiben nicht mehr missen. Meist ist es - wohl nicht nur bei mir - ein loslassen vom Alltag. Sämtliche Nationalitäten und Berufsgruppen feiern hier friedlich vereint.
Die Putzfrau wird zum Millionär. Der Geschäftsmann lebt seinen Kindheitstraum von der Feuerwehr.

Vielleicht würde es uns Allen guttun, etwas mehr Fastnacht in den Alltag zu retten? - Sowohl, was das aufgeschlossene Miteinander betrifft, wie auch Phantasien auszuleben, den ein oder anderen Wunsch (sich oder anderen) zu erfüllen und sich, hin und wieder, ganz egoistisch, die ein oder andere Selbstverordnete Auszeit zu gönnen!?!

Ich Zweifel nur daran, das ich fähig bin, das auch genau so, wie in meinen Wunschvorstellungen über das gesamte Kalenderjahr intensiv zu leben.
Trotz aller erdenklicher Zuversicht, glaub ich, holt einen
- ob man will oder nicht - irgendwann der schnöde Alltag wieder ein. Dann ist der wunderschöne Vorsatz, eben doch nur ein wunderschöner Vorsatz, sonst nichts.

Aber versuchen will ich es zumindest. Vielleicht überrasche ich mich ja selbst?

25.1.18 20:13

Letzte Einträge: "Mangelndes Selbstbewußtsein & Zuneigung", "James Corden & Die Projektwoche", "Ich packe meinen Koffer. ... und will jetzt schon wieder nach Hause"!

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(26.1.18 14:30)
merry-n
Na dann, allaf und helau! Oder wie heißt das bei euch?
Ich denke, dass vor allem in kleineren Orten, wo man einander sehr gut kennt, keine Berührungsängste herrschen und durch die Vertrautheit die gute Stimmung schnell auf alle übergreift. Wenn man dann Teil der Menge ist, oder wie du, sogar ein wichtiger Teil der Veranstaltung, dann kann man bestimmt die ausgelassene Stimmung besonders genießen. Ich bin mir sicher, dass deine Fotos super ankommen!

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