Ausweichen

Ich bin kein Fan von meinem Bruder! - ... und ich frage mich gerade, ob ich das je irgendwann war?

Jemand, der mit über 40 schmollt wie ein Kind, wegen nichts und wieder nichts? - Besonders wenn er hass auf mich hat, versucht er mir wehzutun.

Wirft mich aus dem Haus der Großeltern, das er mittlerweile gekauft hat. Das Jahrelang meine Zuflucht war. Mein Rückzugsort, meine persönliche Oase des Friedens.

Mein Bruder meinte, das ich wegen drei lächerlichen Minuten den Computer unseres Vaters herunterfahren soll - wenn ich nicht daran arbeite, da der PC sonst unnötig viele Betriebsstunden ableisten muss. (hm?!??)
Schreit herum, er würde mich vermöbeln, wenn er noch einmal höre, das ich den Fensterladen nachts schließe. Als käme ich auch nur annähernd auf die Idee ihn herauszufordern.
Auch wenn ich keine Angst habe!
Die Drohung, alleine die Drohung lässt mir trotzdem einen eiskalten Schauder über die Schultern laufen.

Während er bei jeder Kleinigkeit die Beherrschung verliert. Funktioniert ein Gerät (PC zum Beispiel) nicht wie er sich das wünscht, ist es leicht möglich, dass, das Gerät auch mal seine Fäuste oder Füße zu spüren bekommt.
Menschen hingegen, besonders Familienmitglieder werden mit einem Schimpffeuerwerk bedacht.

Auch wenn Samstagsmorgens Nachbars Hunde bellen flippt er öfters total aus: "Irgendwann bring ich die scheiß Köter alle um"!

Er schreit herum. In etwas so: "Ich kann net mehr, wieso ich, ausgerechnet ich, wieso immer ich?!" -

Meist glaubt er seine Wut ist gerechtfertigt. Kennt dann weder Feind noch freund.

Zumindest solange bis jemand sein jammern wahrnimmt, sich um ihn kümmert. Sich (meist Vater) seiner annimmt. Anstatt einfach mal zu fragen: "Würdest du mir helfen, ich hab ein Problem?"

Ich habe das Gejammer in der Kindheit gehasst, je älter ich werde desto mehr satt ich diese grauenhafte Eigenschaft.

Auch wenn ich heute natürlich mehr drüber stehe, wie als Kind, Teenager oder junger Erwachsener, erschreckt es mich noch immer sehr.
Vielleicht hab ich mir deshalb, weil er so herrisch ist, immer ausgemalt wie es wäre eine Schwester zu haben? - Eine Schwester, die man beschützt vor allem übel und mit dieser das Reden, Unternehmungen und das zusammenleben so viel einfacher (vermutlich) wären?

Das versaute Weihnachten 2017, wegen seiner legendären Schmolleinlagen, hab ich noch längst nicht verdaut.

Ich weis auch, ich schaffe mir derzeit ein falsches Feindbild in meinem Bruder.
Man sollte seinen Bruder mögen, mit ihm Dinge unternehmen, reden etc. Dankbar für seine Geschwister sein! - Aber bin ich das?

Aber das Reden war stets sein Ding, das sich ausheulen bei mir, wenn es ihm nicht gutging. - Ich bin da eher verschlossen, hatte früher meine PC-Tagebücher oder hab wie jetzt den Blogg (Beste Idee, ever) dafür.

Unternommen haben wir einiges zusammen.
Viele schöne Dinge sogar. Dennoch bin ich oft nur mitgekommen, das Ruhe herrschte, ich Angst hatte, das er tagelang mit seinem schmollen den Familienfrieden stört.
Auch wenn ich nur zu gerne, einfach mal - genau dann - auf der Couch kleben geblieben wäre.

In dieser Woche hielt ich sogar eine richtige Versöhnung zwischen für nicht ausgeschlossen. Da mein Bruder darauf Bestand, mich zu fahren.
Ich hatte einen Geldbeutel im Bus gefunden. Durch die Fahrkarte konnte ich den Besitzer leicht ausfindig machen.
Mein Bruder meinte, er hätte sowieso etwas auf dieser Strecke zu erledigen. Er war nicht abzubringen mich zu fahren. ... und ich zu blöde "Nein" zu sagen.

Deshalb fuhr ich mit. Definitiv ein Fehler!

Schon früher bin ich ihm oft ausgewichen, wenn ich kein gutes Gefühl hatte. Auch nur Ansatzweise dachte, er könnte herumbrüllen. Oder sich auf dem Kriegspfad befinden.
Ich bin sogar ziemlich oft einfach zwei, drei Busse später heimgefahren. Um an Jammertagen möglichst wenig Zeit in seiner Nähe verbringen zu müssen. - Die Ausweichzeit schlug ich meist in meiner Lieblingsbuchhandlung oder im Kino tot.
Was wohl erheblich zu meiner Bücher- und Filmleidenschaft beitrug.


Mein Bruder ist aber auch sehr spendabel.
Jetzt zum Beispiel, hat er zum 70. Geburtstag meines Vaters, den Eltern, einen mehrtägigen Aufenthalt. in Moselnähe, in einem Mehr-Sterne-Hotel spendiert. ... mal sehen, ob mir was ähnlich spektakuläres einfällt um meinem Vater einen Freude zu bereiten?


*Es ist genau 4 Uhr 29 ... ich sinniere gerade über meine Familie, die bevorstehende Altweiberfastnacht und diesen Blogeintrag.*

7.2.18 04:30

Letzte Einträge: „Ein Stückchen Einfluss auf mein Leben“, „Von heißer Schokolade & Hoch- und Wohlgefühlen“, "Nie mehr Bussibär" oder Erinnerungen an einen lieben Chatfreund", "Erzähl mal was", "Ne Chatwelt, die mir nicht gefällt"!

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(7.2.18 07:58)
merry-n
Oh je, das Thema mit deinem Bruder scheint dich ja schon dein ganzes Leben lang zu begleiten! Ich verstehe, dass du eher die Flucht als die Konfrontation wählst, weil letztere meist alles nur verschlimmert. Ich würde das auch so machen. Allerdings lehrt mich die Erfahrung, dass Menschen sich nur selten ändern. Du wirst einen Weg finden müssen, mit dem du einigermaßen leben kannst.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen
Werbung