„Ungesehene Zugeständnisse“

„Die Lindenstraße wird im März 2020 eingestellt!“ – Diese Nachricht hat mich aufhorchen lassen, ich weiß nicht einmal genau warum? - Zumindest war des Anfangs meine Mutmaßung.

Was habe ich denn mit dieser (angeblichen) Kultserie zu schaffen?
 „Rein gar nichts“ hätte ich vollster Überzeugung geantwortet.  
… und doch ist mir bewusst, dass meine Eltern diese Serie einige Jahre (damals noch) um 18 Uhr 40 sonntags vor dem Fernseher zu Gemüte führten.
Wieso, sie seit bestimmt 10 - 15 Jahren das ehemalige Erfolgsformat nicht mehr ansehen mögen, kann ich nicht mitteilen? (… mal fragen, wäre wohl durchaus eine relevante Option
😊!)

Ich erinnere mich wie man in der Lindenstraße das Thema Ausländerfeindlichkeit anpackte und wie sehr mich das als Knirps erschreckte, wie ein normaler Jugendlicher schleichend eine zweifelhafte Gesinnung annahm.
Ich erinnere mich auch an Alkoholexzesse. Das Thema Homosexualität (das früher noch nicht dermaßen offen in den Medien präsent war, wie heute.) eine größere Rolle spielte.  Oder wie man einen Mord vertuschte. Frauen und Kinder Opfer von Gewalt wurden. Die Serienschöpfer Spielsucht unterhaltsam thematisierten.
Sogar die eine oder andere rührende Familienszene taucht verwackelt vor meinen Augen auf.
Besonders an eine Szene, bei der man Gemeinsames Musizieren einer vorbildlichen Familie am Weihnachtsabend zeigte.
Wie sich sämtliche Herren der Serien aufmachten um die Fußball-Welt- oder Europameisterschaften live Vorort anzuschauen.

Ich muss gestehen, das Thema Lindenstraße hat vor einigen Wochen schon einmal mein Interesse stärker geweckt.
In den Medien verbreitete sich wie ein Lauffeuer, das „Hansemann“ den Serientot sterben wird.
Tatsächlich habe ich mir angesehen, wie diese Hauptfigur der ersten Lindenstraßenfolge, ihr Leben im Sonnenuntergang aushauchte.


Ich kann nicht schreiben, dass es mir leid tut – dafür ist mir die Lindenstraße und ihre Bewohner dann eben doch nicht wichtig genug.
Mir tut es für die Schauspieler und die treuen TV-Seelen leid, die in nicht mehr ganz eineinhalb Jahren ihrer Lieblingsfernsehserie sicherlich nachtrauern werden.  
Eines muss ich der Lindenstraße ungesehen zugestehen, sie bleibt mit ihren Themen im Gedächtnis haften.
Figuren und Charaktere die man selbst selten sah sind einem trotzdem durchaus ein Begriff. Eine auffällige Fußnote die im Gehirn durchaus einen gewissen Aha-Effekt hinterlässt.
Ob ich das „so“ von noch irgendeiner Serie behaupten kann?


Nun hat die ARD aus Kostengründen das Jahrzehntelange Sonntagsvorabend-Zugpferd Lindenstraße eingestellt.
Ich hoffe, die Serie machts wie ein(e) Arbeitnehmer/in kurz vor dem Ruhestand, gibt noch einmal Vollgas, rüttelt alle auf, weil er/sie als Dauerbrenner nachhaltig im Sinn bleiben möchte!

 

21.11.18 03:22

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