„Gedenkstehle, Fragen? & Gedanken“

Ich sitze hier relativ entspannt vor dem PC. Vor meiner Nase ein Tellerchen mit stetig abnehmenden Brezeln, Sonnen und Herzen-Lebkuchen.

Ein extrem krasser Gegensatz zu einer Teilnahme an der Einweihung einer Gedenkstehle (Gedenkstein/Pfeiler mit Inschriften) für verfolgte und im Konzentrationslager ermordete Juden meines Heimatortes.
Erfahren von dieser Veranstaltung hatte ich erst wenige Tage zuvor. Auch der Fotoauftrag um diese Veranstaltung in Bild festzuhalten flatterte mir eher zufällig ins Haus.

Die Veranstaltung fand im freien statt.
Neben Bürgermeisterin, Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Bundestagsabgeordnete, einen waschechten Rabbi, einen recht bekannten Professor der Agrarwissenschaften und weiterer lokalen Prominenz fanden sich ungefähr hundert weitere Menschen zu den Einweihungsfeierlichkeiten ein.

Ich fand es sympathisch, wie man fast ohne Umschweife, von feierlichen Grußworten abgesehen zu Einweihung der Stehle kam.
Der Rabbi beeindruckte mich. Sagte er doch, er wäre regemäßig zu solchen Gedenkfeiern eingeladen, es wäre nie leicht immer wieder unverbrauchte Worte zu finden.
Jedoch wäre es selten, dass ein kleines 3000 Einwohnerdorf solch einen Gedenkplatz Einweihe und Verantwortung in der Geschichte übernehme.

Die Künstlerin erklärte die kritzeligen unrunden Inschriften der ermordeten Juden auf der Stehle. Sie sagte, grauen könnte niemals perfekt und akkurat sein.  

Ich fand es auch nicht verkehrt, dass Frau Bürgermeisterin noch einmal darauf hinwies, dass man bitte Schmierereien und andere Vergehen gegenüber der Stehle hart verfolgen und bestrafen wird.


Ich frage mich, wie oft ich mir wohl tatsächlich Zeit nehmen werde, das Mahnmal aufzusuchen?
Dann diesen ermordeten Menschen zu gedenken? – Fragen zu stellen, mich mit diesen Geschichtlichen Ereignissen zu konfrontieren, vielleicht über Schuld und Sühne ausführlich zu grübeln? Festzustellen, dass so etwas überall passieren kann, selbst im Heimatdorf? – Grausam aber wahr!
Welche Verantwortung man heutzutage selbst trägt, dass sich sowas niemals wiederholt?       

… und ist diese Stehle eigentlich nicht nur ein Denkmal für die ermordete Juden, sondern (auf dem 2. Blick) auch für jede andere Opfergruppe?


Die Thematik hat sich momentan fest in mich eingegraben.

Die Konfrontation mit diesem Thema kam zum rechten Zeitpunkt! - Vielleicht ist es für mich ein anregendes wachrütteln, auch mal wieder selbst kleinste Menschliche Gesten wertzuschätzen, nicht so oberflächlich darüber wegzugehen – was mir sicher viel öfters passiert, wie ich das möchte.


27.11.18 01:09

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