"Ehrenjubilare"

Vor über einer Woche habe ich auf meinem Desktop ein Dokument mit dem Namen: „Neuer Blogeintrag" angelegt.
Darum gekümmert habe ich mich nur sehr bedingt. Mehrmals habe ich halbherzig angefangen an einem neuen Blogeintrag zu schreiben. Jedoch sollte man dabei wohl nicht 100-Dinge gleichzeitig machen?
Weil TV schauen, Trainingsprogramme gestalten, Bilder bearbeiten, bisserl Alltag nebenbei, das wird so einfach nichts bei mir!

Nun jedoch habe ich zu meiner inneren Ruhe und Gelassenheit zurückgefunden. Eine winterliche Gemütlichkeit umhüllt mich. Heute gab es sogar Schnee. Die Welt schaute aus wie mit Zuckerguss überzogen.
Ein Podcast auf den Ohren. Einige Restplätzchen zum Knabbern stehen verführerisch in einer kleinen hellblauen Plastikschale vor mir. Damit die Plätzchen besser rutschen gibt's zuckerfreie Cola. Dazu ist auch Endlich wieder Lust vorhanden einiges mitteilen zu wollen.

Vor einigen Wochen engagierte mich ein erfolgreicher Unternehmer um seinen Geburtstag in Bild festzuhalten.
Bereits, Junggesellenabschied, Polterabend und die Hochzeit des netten Firmenchefs und seiner Frau durfte ich mit Kamera beiwohnen. Mein Vater nennt die Ehefrau des Unternehmers „Barbie". Was ich äußerst passend finde, sieht sie doch der erfolgreichen Martel-Puppe wirklich überaus ähnlich und verkörpert auch Eigenschaften wie Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Ich richtete mich auf einer gemütlichen Feier im warmen ein. Jedoch weit gefehlt.
Die Feier fand auf dem Firmengelände des Unternehmers statt. Der Jubilar hatte sich echt was einfallen lassen. Auf dem Gelände standen mehrere kleine Holzhütten. In der einen bekam man Crêpes in verschiedenen Geschmacksrichtungen. In die anderen Getränke. Wie Glühwein, Kaffee, Tee, heiße Suppen oder auch Kaltgetränke (Cola, Fanta, Sprite, Red Bull etc.). In einer weiteren Blockhütte war ein DJ untergebracht, der immer dann aufspielte, wenn eine über die Grenzen Rheinland-Pfalz bekannte Band ihre Pausen einlegten. Zwischendurch hüpfte auch noch eine Mallorca-Größe für eine Dreiviertelstunde über die Bühne, schmetterte währenddessen einen Mitsing-Hit nach dem anderen. Während das gebotene Programm hat bestimmt niemand der Geburtstagsgäste gefroren.
Auch gab es eine „Schnaps und Schnupfbar". Zudem leckere Hausmannskost. Gulasch, Suppe, Met-Brötchen, Würstchen.
Wäre das noch nicht genug, stellte er eine Fotowand auf, die, Schneeüberzogene Berge zeigten. Davor ein Skilift in den man sich setzen konnte, schaute man in den Fotoautomat – bekam man im Anschluss eine hübsche Erinnerung an diesen unterhaltsamen Abend. Einer der Gäste stellte in einer Lobhudelei die Frage, die ich mir auch stelle, wie will er das jemals an einem anderen Festtag toppen?


Nur wenige Tage später durfte ich mit meiner Kamera den Ehrentag eines ehemaligen Schuldirektors festhalten. Dieser feierte in der Aula seiner früheren Lehranstalt.
Da mir der Jubilar nicht gänzlich unbekannt war, rechnete ich mit einer teilweise zähen, steifen Feier. – Um es vorwegzunehmen, natürlich war das nicht der Fall.
Der Schuldirektor in Rente spendete seiner ehemaligen Schule eine erhebliche Summe Geld. Feierlich wurde der Scheck - vor einigen Medienvertretern - Angestellten der Bildungseinrichtung übergeben.
Für mich jedoch nicht der Höhepunkt der Feier. Dieser kam, wie sich der Schuldirektor i.R. ein Mikrophon schnappte, erst unerwartet heiter den ein oder anderen Schwank und Anekdote aus seinem Privat- und Berufsleben, dann mit Tränenerstickter Stimme eine Art Lebensbilanz zog.
Besonders beeindruckte mich, wie offen er darüber sprach, dass er oftmals Mitarbeiter, Kollegen, Schüler, Verwandten, Lebenspartner und die eigenen Kinder viel zu hart verbal angefasst hatte.
Das ihm das aber erst klargeworden wäre, wie er Abstand vom Berufsleben gefunden hatte. Auch seine Enkelinder seien an diesen späten Einsichten nicht ganz unschuldig.
Sowohl wie jetzt, hätte er sich noch nie in seiner Haut gefühlt.

Ich stand sekundenlang wie vom Donner gerührt da.
Der ganze Saal mit Gratulanten war Mucksmäuschenstil. Das hatte ordentlich gesessen.
Niemand hatte wohl mit so einer intensiven Lebensbetrachtung- und gefühlvoller Beichte gerechnet. Danach war die Stimmung dieser besonders Geburtstagsfeier umso gelöster.

Ich war innerlich schwer begeistert von dem Mut des Direktors i.R. für seine Verhaltensfehler einzustehen.
Ob ich jemals die Größe haben werde für Fehler, verpatze Lebensmomente und ungeschickten Umgang mit Menschen (öffentlich) auf eine solche Weise „sorry" zu sagen? – Ich hoffe, aber sicher bin ich mir da keineswegs! Dafür bin ich aber vielleicht auch viel zu verschroben und nicht der Typ? – Wobei ich mir das schon (für meinen Charakter & Seelenheil) erhoffen würde!


„Ich habe die Ehre, sagte der Jubilar, packte seine Geschenke ein und ging". - Karl-Hans Jacobs


23.1.19 04:18

Letzte Einträge: "Unbezwingbar", Verpflichtungen?!?, "Dreiviertelhosen Samstaghits", "Unfähig", „Ein Stückchen Einfluss auf mein Leben“

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen
Werbung