"Eine Fahrgemeinde zum Kotzen"

We're not gonna take it. No, we ain't gonna take it. We're not gonna take it anymore“ … Diese Rockhymne, der „Twisted Sister“, summte ich leise – auf dem Bus wartend – vor mich her.

Im Bus herrschte vorerst eine angenehme Stimmung und ich relaxte beim Buch „Panikherz“ auf meinem Sitz.
 
Jedoch nur solange bis sich urplötzlich, mir gegenüber, eine junge Frau heftig übergeben musste.
Man hätte meinen können, Feuer wäre ausgebrochen. Menschen drängten augenblicklich von hinten – auf Sitzplätze - in den vorderen Busbereich.

Ich kann normalerweise erbrochenes weder sehen noch riechen.
Diese Panik war jedoch nicht einmal für mich nachvollziehbar, sondern einfach nur unglaublich affig.
Ein wenig bin ich verwundert, dass meine eigenen Magenwände stillhielten.  

Dabei bestand keine Gefahr, dass die Frau mit dem speien jemand hätte treffen können. Klugerweise nahm sie den Kopf Personenschützend herunter. Besonders ihr Gesicht und teilweise ihre Haare waren durch ihr Speiattacke total besudelt.  

Ich suchte in meiner Tasche und Jacke nach Tempos.
Wenn auch zugegeben etwas Alibimäßig.
Denn insgeheim war mir bewusst, dass ich ausgerechnet gestern -bei der Neusortierung der Inhalte meines Rucksacks und Jackeninhalte die - Tempos herausgenommen und nicht zurückgesteckt hatte. – Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Ich sah auch den optimistischen Blick der Frau, wie sie mir – gegenüber – heftig im Rucksack kramend zusah. Leider blieb mir nur ihr mit einem Schulterzucken zu signalisieren: „Tut mir so leid“!

Sekunden später hatte sie ihr Mobilphone am Ohr. Wurde dort hoffentlich entsprechend getröstet.

Was mich ärgert – außer, dass ich keine Tempotaschentücher dabeihatte – dass niemand, wirklich niemand der Frau – die ich zwischen 18 und 21 schätze - ein Tempo gab, um sich wenigstens wieder Notdürftig herzurichten.
Dass niemand im Bus, nicht ein Mensch, etwas zum Abwischen dabeihatte, wer soll, dass glauben?

Das Bild wie der Mensch mit ausgespuckten Brocken im Gesicht und Haaren den Bus verließ wird mich sicherlich noch länger begleiten. Das war nämlich echt kein schöner Anblick. – … und Hoffentlich mich daran erinnern, demnächst in solchen Situationen besser zu handeln!

Ich bin so abartig enttäuscht, dass ich nicht lautstark für sie nach einem Tempo verlangte.

Das hätte ABSOLUT JEDEM passieren können!
Ich weiß auch wie dankbar ich in ihrer Situation für ein schlichtes Taschentüchlein gewesen wäre.

 

Festzuhalten bleibt, das erbrechen der Frau war eine körperliche Biochemische Reaktion! – Das Verhalten der gesamten Fahrgemeinde aufgrund menschlichen Versagens geradewegs zum Kotzen!

12.5.20 23:20

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


"Rex-Mama" / Website (13.5.20 06:16)
Du liebe Zeit, das ist ja eine heftige Geschichte.
Ich befürchte, ich wäre auch spontan geflüchtet, denn ich muss schon auf der Straße einen großen Bogen machen bzw. sogar die Seite wechseln, wenn ich so eine Lache sehe und nicht von heftigem Würgereiz überfallen werden will.
Tempos habe ich allerdings immer dabei, eigentlich auch in jeder Jackentasche Tütchen, um Rex' Hinterlassenschaften aufzusammeln.
Gut möglich, dass ich ihr beim ersten Anzeichen ein solches Tütchen gereicht, mich dann aber verdünnisiert hätte. ;-)

Wie lief das denn eigentlich mit der Vermummungspflicht? Nahm sie die Maske vorher ab oder landete das meiste in ihr?


Sparköchin / Website (13.5.20 13:32)
Lieber Lifeminder,
ich glaube wie dir ist es uns allen schon gegangen: in Gedanken und weit weg von der tatsächlichen Situation sind wir alle viel besser drauf als wenn wir uns unversehens mitten im Geschehen befinden und gar nicht zum Denken kommen.
Du hast es wenigstens versucht, und du hattest Mitleid mit der Frau - was einige andere vermutlich nicht hatten. Die haben sich vielleicht insgeheim sogar über den verschmutzten Bus aufgeregt ...
Deine positive Einstellung bewundere ich wirklich.
Das nächste Mal wirst du helfen können, da bin ich sicher.
Alles Liebe
von der Sparköchin

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