„Vom Verschwinden & (emp)finden“

Ich saß auf einer der Erholungsbänke in Unmittelbarer Nähe zum proppenvollen Außenbereich des Wormser „Stadt Café“.
 
Kurz zuvor hatte ich mir Tipps in der Apotheke für mein – nach wie vor – rotes Bein eingeholt. Ich musste nicht nur aufgrund des Beines, sondern auch aufgrund einer kurzen Nacht und nicht zuletzt wegen der großen Hitze unbedingt einige Minuten pausieren.
 
Im Brunnen ließen Kinder Boote fahren, plantschten im Wasser oder spritzen mit Wasserpistolen ausgelassen aufeinander. Pärchen, verschiedenster Altersklassen, saßen Hand in Hand am Brunnenrand.
Menschen liefen Richtung Bahnhof oder verschwanden - in der entgegengesetzten Richtung - in die Tiefen der Wormser Fußgängerzone.
Dazu ringsumher unaufgeregte Gespräche, an den Café-Tischen, die sich aufgrund der Vielzahl der Stimmen in einem angenehmen Wort-Brei verloren.
Weit und breit nur Strahlende Gesichter. Farbenfrohe Sommerliche Outfits, eine Harmonische Sommer, Sonnen, Sonnenschein Atmosphäre, die zum Relaxen einlud und mich rasch in Morpheus Arme trieb.

Ich war gerade für drei Himmlische Sekunden eingedöst. Als urplötzlich ein Markerschütternder Schrei die Sommeridylle zerriss und mich in „das Hier und Jetzt“ zurückholte. „ELISA!!!!!!!!!!!!!!“
Die Frau, die am nächstgelegenen Tisch zu meiner Bank, offenbar mit einer Freundin saß, sprang auf und rannte – mit dem immerwährenden Elisa-Ruf auf den Lippen - zum Brunnen. Ich verlor die Frau aus dem Blickfeld, hören konnte man die Mutter jedoch nach wie vor erstaunlich gut. Verzweifelt rief sie: „Hat jemand meine Tochter gesehen“ „… ELISA!!!!“
Irgendwelche Passanten baten die Frau nicht so zu schreien, die schleuderte ihnen jedoch ihre Ängste und Verzweiflung mutig entgegen: „Meine Tochter ist verschwunden, ELISA!!! ELISA!!! ELISAA!!!

Ich hatte mich Endlich geschüttelt, den neben mir ruhenden Rucksack gegriffen und geschultert. Zu guter Letzt war auch ich Einsatzbereit zu helfen. Ich wollte der Mutter raten umgehend die Polizei anzurufen, andere Passanten bitten, die Fußgängerzone mit mir zu durchkämen. Gut, dass ich in meinem Eifer noch gestoppt wurde.
Wieso ich glaubte, im Nachhinein, noch kein anderer hätte inzwischen Hilfe angeboten, ich könnte fremde Leute mobilisieren nach meinen Vorstellungen zu agieren, ist mir ein Rätsel? – Vielleicht hatte ich in letzter Zeit zu viele Rettungsserien, Verfilmungen gesehen und Artikel gelesen in denen es ähnlich zuging?


Ich registrierte aus den Augenwinkeln, wie aus einer der Türen, ein Mädchen, schätzungsweise zwischen drei und vier Jahren, freudig, Kurs auf den Tisch an dem die Freundin – der suchenden Mutter - saß, nahm. Die Freundin machte ihre Sache prima. Hielt die Kleine am Tisch und die Mutter schloss, nur Sekunden darauf, ihre Tochter wieder fest in die Arme.
Man hatte den Eindruck sie wollte ihr Kind nie wieder loslassen Der Mutter liefen dicke Tränen ebenso Hemmungslos wie in Sturzbächen die Wangen hinunter. Mehrmals zog sie das Kind an den Körper, wuschelte dem Mädchen durch die Haare und drückte die Kleine wieder felsenfest gegen sich.

Bevor die Tochter, doch noch, liebevoll für ihr Fehlverhalten ausgeschimpft wurde.

Der Mutter sind sichtbar gleich mehrere Tonnen von Felsbrocken vom Herzen gefallen und ihrer Begleiterin sicher auch!?!!
Denn ich verspürte schon eine Riesen Erleichterung, dass die kleine unversehrt an den Tisch zurückgekehrt war.
Wenn ich die Blicke - der anderen Menschen im und um den Gästebereich - Richtig interpretiere, erging es ihnen - allen - kein bisschen anders.


Drei Minuten später …
War das Urlaubsfeeling wieder da.  An den Vorfall, die Schreckminuten erinnerte äußerlich bereits nichts mehr.  

Was ich hingegen mitnahm, mich bis jetzt auch nicht mehr emotional losgelassen hat, dass die kleine gesund und munter wiederaufgetaucht ist und wie die Mutter hemmungslos vor Freude und Erleichterung weinte, ihre Tochter dabei mit Zuneigung und Liebe fast erdrückte.


Ich finde es schön „Lieber Gott“, wenn du ab und an Zeichen sendest, das es dich doch gibt! – Danke!

2.8.20 01:43

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


"Rex-Mama" (2.8.20 05:45)
Wie schön, dass du den lieben Gott mit dem Wiederauftauchen des kleinen Mädchens in Verbindung bringst, wird er doch vermutlich im Moment genug zu leiden haben, weil manche ihn für Corona die Schuld geben, sofern sie sich nicht mit den Zuweisungen Trumps anschließen.

Ein sommerlicher Eintrag, der einen fast meinen lässt, das Leben dort draußen wäre wieder normal - man hört und sieht das Treiben in der Fußgängerzone regelrecht vor seinem inneren Auge.


Liebe Einen-schönen-Sonntag-wünsche-Grüße von der

"Rex-Mama"

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