„Non-Qualitäts-Baustellen“

So sehr ich mich auch ärgern kann. Insgesamt mag ich das Busfahren sehr und immer mehr. – Nur unbegreiflich teuer ist es schon.

Vor allem da mir die Atmosphäre normalerweise gut gefällt.
Diese 2x45 Minuten Busfahrt, bedeuten für mich Qualitäts-Lese- oder Schlafenszeit. Die mir in gewisser Weise heilig sind.
Ich genieße die Menschen, so dumm das auch klingen mag, während ich normalerweise konzentriert lese.  
Denn wenn ich, warum auch immer, Aufsehe, gibt’s auch was zu entdecken. So zum Beispiel gestern, das Tattoo mit dem Schriftzug: „Angelwings need Time“ über das ich auch im Blog berichtete.

Während ich im Alltag verhaftet war, bummelte Mama durch die Stadt und Vater nahm einen Augenarzttermin wahr. Bei dem er - einmal mehr - weit über zwei Stunden trotz Termines warten musste.
Ich verstehe durchaus, dass man „uns junges Gemüse“ mal Länger warten lässt.
Wenn auch Vater für einen in seinen 70iger körperlich und geistig fit ist, frage ich mich, muss man ein Mensch ab einer gewissen Anzahl von Lebensjahren – wenn kein Notfall vorliegt – über zwei Stunden warten lassen?

In meiner Pause trafen Eltern und ich uns im Eiscafé.
Auch dort machte die Hitze den Angestellten wohl zu schaffen. Mein Eis war ungewohnter Weise schon deutlich am dahinschmelzen, dennoch, um es vorwegzunehmen, lecker.
Dazu ärgerten mich mehre Bienen beim Verspeisen des Eisbechers. Was ich gar nicht leiden konnte. Erst waren über den Frühling und Sommer so gut wie keine Bienen zu sehen, dann gleich alle auf einmal an meinem Eis und an meinem Getränk.

Eltern machten durch die Hitze ebenso einen leicht angeschlagenen Eindruck, ich muss wirklich dauerhaft verinnerlichen, dass sie beide keine 50 mehr sind.  Was mir zugegeben manchmal entfällt.
Allein, dass sie nach dem Eiscafébesuch gleich nachhause fuhren, unterstreicht diese unvermeidbare Wahrheit deutlich.
Normalerweise hätten sie erst noch dies und das für anstehende Feiern besorgt und auch gleich - in einem Abwasch - den Großeinkauf erledigt.


Auf dem Weg zur Bushaltestelle kam ich an einer Baustelle vorbei.
Die Männer, das sah man deutlich, hatten schwer geschafft.
Einer turnte tapfer - trotz der Hitze - auf dem Dach, in einer für mich schwindelerregenden Höhe, herum, die anderen beiden auf dem Boden. Alle mit freiem Oberkörper und von der Sonne dunkelrot geröstet.
Da ruft einer der Arbeiter vom Boden, dem auf dem Dach zu: „Ein Bier mit Geschmack oder ohne“? – Der Mensch auf dem Dach, das der Form halber lehnte energisch ab: „Mit Geschmack nur Zuhause“. Die anderen wählten hörbar, das Fläschchen mit dem Schuss „Extra-Geschmack.“

Was das heisst - „Mit Geschmack“ - kann man sich vielleicht ableiten; vermutlich mit Alkohol oder ohne?

Ich dachte echt, ich höre nicht recht!
Wahrscheinlich hätte ich was sagen bzw. nachfragen sollen, vielleicht sogar müssen? - Das tat ich jedoch nicht?
Auf der anderen Seite, muss ich meine neugierige Nase auch nicht überall hineinstecken. Nur wenn in der Zeitung stehen sollte, „Mann fällt auf Baustelle vom Dach“, dann weiß ich auch, wer der erste ist, der dann heftigste Gewissensbisse bekommt!

Ich weiß, auch aus äußerst verlässlichen Quellen, dass das wohl vor Jahrzehnten mal etwas anders auf Baustellen abging.
Aber ob das mit irgendwelchen Versicherung- und Sicherheitsrichtlinien im Jahre 2020 noch zu vereinbaren ist?


Am Abend kam mir der Song, „Allein Allein“ in den Sinn. Von der Elektro-Pop-Bank „Polarkreis 18“. Seltsam, den Song mag ich nach wie vor - selbst nun nach neuerlichen hören - nicht besonders.
Dennoch fragte ich mich was wohl aus der Musikgruppe „Polarkreis 18“ wurde? – Laut Internet, machen die Bandmitglieder noch alle, wenn auch in unterschiedlichen Projekten, Musik.

 

Guten Morgen! – Wer immer ihr auch seid!?

21.8.20 03:51

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


"Rex-Mama" / Website (21.8.20 07:18)
Was für ein vielseitiger Eintrag ...
Der Reihe nach:
Aus Umwelt- und ganz praktischen Gründen bin ich früher viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, auch wenn mir das Herumgeknubbele in Bussen und Bahnen nie wirklich angenehm war.
Seit Corona vermeide ich es und ziehe das Auto vor, wenn sich tatsächlich einmal etwas nicht zu Fuß erledigen lässt.
Mit den Preisen gebe ich dir recht - im Grunde müsste der ganze ÖPNV kostenlos stattfinden, wollte man der Umwelt wirklich helfen.
Den Eltern beim Altern zuzuschauen, ist wirklich schmerzhaft, kann man es allerdings nicht mehr, ist es noch bitterer, also muss man es wohl so annehmen.
Schön, dass du dich mit ihnen treffen konntest, auch wenn die kleinen Biester etwas mühsam machten. Ich selbst esse aus diesem Grunde wesentlich lieber drinnen als draußen.
Die Wartezeit beim Arzt ist eine Frechheit - da hätte ich ordentlich Randale gemacht, das glaub mal.
Bier trinkende Bauarbeiter gehörten früher zum Straßenbild dazu, aber das geht in unserer nach außen hin so korrekt, wenn auch nicht besser gewordenen Welt natürlich gar nicht mehr.
Ich könnte es übrigens nachvollziehen, wenn man einen Busfahrer auf die Bierflasche ansprechen würde, täte man dies bei einem Arbeiter, würde der einen vermutlich angucken wie das Frollein von der Heilsarmee ...
"Allein Allein" war einmal das Lieblingslied eines Bekannten, der tatsächlich unter Einsamkeit litt. Den Kontakt zu ihm habe ich leider verloren, hoffe aber für ihn, dass sich der Titel inzwischen überholt hat und er eine Partnerin fand.


Liebe Einen-guten-Wochenausklang-wünsche-Grüße von der

"Rex-Mama"


lifeminder (21.8.20 15:27)
Hallo, Liebe "Rex-Mama"!

Ich bin auch eigentlich ein Freund von drinnen Essen. Besonders an heißen Sommertagen. Im Gegensatz zu meinen Eltern, die ob Zuhause oder im Eiscafé gerne auch mal den Außenbereich vorziehen.

Stimmt, kostenloses Busfahren und Zufahren, wäre es nur innerhalb 50 km würde schon sehr helfen, nicht nur der Umwelt, auch die naheliegenden Städte und Dörfer würden hiervon sicher profitieren.

Nein, das Bierchen auf der Baustelle geht nicht mehr, ich würde es auch verstehen, aber wenn man auf dem Dach schafft, muss man ja nicht unbedingt vorher ein Bierchen kippen.

Ich drücke deinen früheren bekannten auch die Daumen, vielleicht ist er ja mittlerweile "glücklich vergeben" !


Liebe - Freitags- Grüße
Vom lifeminder


"Rex-Mama" / Website (21.8.20 17:23)
Hm, ich glaube, das kann man so oder so sehen.
Ich bin ja kein großer Freund dieser ständigen Überbeschützungsmentalität, die so um sich greift, sondern setze eher auf Eigenverantwortung, natürlich nur, wenn es nicht um die Gefährdung Dritter geht.
Und irgendwie scheint mir auch, dass es früher beim Arbeiten meist sehr viel entspannter lief, als noch nicht jeder Handgriff quasi mit der Stoppuhr nachgemessen wurde, um die Effektivität jedes Einzelnen zu überprüfen, weil die Gewinne ja unbedingt maximiert werden müssen.

Liebe Feinen-Start-ins-Wochenende-Grüße zurück

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