"Gedankenfrisch am Küchentisch"

Um 0 Uhr 42 stieg ich – laut Receiver Uhrzeit - aus dem Bett.
Mein knurrender Magen teilte mit, dass er seit dem Nachhausekommen nichts zum Verdauen bekommen hatte.
Nur gut, dass noch Reste vom Vortag übrigblieben waren. Die ich mir schnell aufwärmte.

Klingt sicherlich ein wenig konträr zu dem was ich gestern im Blog schrieb?
So bin ich wohl?
Wie - manchmal auch- das Leben! Nämlich voller Widersprüche.
Widersprüche heißt jedoch nicht, dass ich wie ein Gummibärchen bin, ich hatte und habe nämlich sehr wohl Rückgrat und eine eigene Meinung.
😊

Ob ich zuvor schon mal so gerne in der Nacht am Küchentisch saß?
Der Computer, der im Schlafzimmer ohne Betätigung vor sich her brummte wurde jedenfalls heruntergefahren.

Ich spülte das Geschirr ab.
Schnappte mir das 2 Euro 99 Buch vom Bücher Flohmarkt.
„Wer sucht schon das große Glück?“ Von „Denise Deegan“.
Ich hatte mir etwas anderes anfangs darunter vorgestellt, wie dass was ich da zum Lesen bekam.
Dennoch war es eine gute Geschichte. Über Mobbing, Ziele, Liebe, Freundschaft.
Bin aber auch selbst schuld, dass ich nicht im Vorhinein besser über den Inhalt der Geschichte Bescheid wusste. Mir hatte das Buch leidgetan, wie es so einsam in der großen Kiste dalag, ich ergriff es, bezahlte das Buch und ließ es in meiner Tasche verschwinden. Wo es bis zu jener Nacht ruhte.


Beim Lesen fiel mir eine Schulanekdote aus dem Jahr 1995 - meinem ersten Jahr auf der BBS III - ein.

Ein Massiver Typ, mindestens 25kg mehr auf den Rippen und mindestens einen ganzen Kopf Größer wie ich, den ich aus der Parallelklasse kannte, der für sein freches Mundwerk gegenüber Lehrer und Mitschüler bekannt und berüchtigt war, bat mich ihm 10 DM zu leihen.

In meiner Erinnerung, sah er genau aus, wieKearney Zzyzwicz Jr.“ aus. Einem Charakter aus der beliebten Cartoon-Serie: „Die Simpsons“. Der Einzige Unterschied zu der Zeichentrick Figur, dass der Typ noch volles Haar hatte.

Klar! So war ich damals eingestellt, gab ich ihm ohne zu zögern das Geld.
Obwohl ich von meinem (damals) Besten Kumpel noch gewarnt wurde - dem „Schmierlappen“, wie er ihn bis zur Beendigung der BBS III durchweg nannte - nichts auszuhändigen.

Ich überreichte dem vermeidlichen Kameraden die 10 DM.
So nach vier Wochen, fragte ich erstmals nach, was denn mit dem geliehenen Geld sei? Woraufhin, der Schüler nur meinte, dass er es sehr bald zurückzahlen würde.
Nach weiteren zwei Wochen vertröstete er mich abermals. Dann nochmals. … und weitere Male.

Irgendwann wurde ich dem Kollegen aus der Parallelklasse zu aufsässig. Er drohte mir ernsthafte Prügel an, wenn ich weiter nachdem Geld fragen sollte.

Ich hatte früher - das hat sich zu heute kaum geändert – vor allem möglichen Angst. Fremde Hunde, schlimmen Krankheiten, das mir der Himmel auf den Kopf fällt etc. Jedoch sicher nicht vor einen Menschen aus Fleisch und Blut.

Obwohl mir der Mitschüler mehrmals intensiv drohte, schaltete ich, nach Monaten, weil es mir zu dumm wurde, irgendwann ein Fachlehrerin ein.

Warum nicht den Klassenlehrer? – Den mochte ich einfach nur bedingt.

Diese Fachlehrerin, die u.a. auch mich in Bürotechnik unterrichtete, war nicht ganz zufällig, auch Vertrauenslehrerin, weil sie zurecht allseits beliebt und geschätzt war; wenn mich meine Erinnerung nicht allzu sehr täuscht?

Es kam deswegen - zwischen Mobberlein und mir - zu der ein oder anderen unschönen Schubserei. Das ein oder andere Mal versuchte er mich auch hinterrücks zu drangsalieren und einzuschüchtern, indem er mich an meinem Seesack von hinten auf den Rücken zog.
Von 1995 – 1999, trug ich einen dunkelblauen Seesack mit weißen Streifen - stolz auf meinem Rücken.

Das Aufsuchen der Lehrerin zahlte sich im wahrsten Sinn des Wortes aus.
Er beglich die 10 Euro Schulden.
Wenn auch aus boshafter Absicht mit wenigen 50Pfennig-, einigen 10-Pfennig und haufenweise 5Pfennig- 2Pfennig und 1-Pfennigstücken.

Worüber ich mich im zuerst verdammt ärgerte.
Bevor ich mich doch noch über die vollständige Rückzahlung des Geldes freuen konnte. Weil dem Kerl, hatten sicher nicht allzu viele während der Schulzeit (wieder) etwas abgeknüpft!
Wie ich so am Küchentisch nachdenklich verweilte, überlegte ich, wie würde ich auf diesem Menschen nach 25Jahren reagieren, sollten wir per Zufall aufeinandertreffen?

Absolut, das Ergebnis überrascht mich, mehr als nur ein wenig - da ich manchmal ein ziemlich ausgeprägtes  Elefantengedächtnis habe - ganz ohne Groll und Versöhnlich (und unvoreingenommen?) .
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der ehemalige Schüler aus der Parallelklasse, noch derselbe empfundene Schwachmat ist, wie vor einem Vierteljahrhundert! (?)

Menschen (ver)ändern sich, gott-sei-dank. Davon bin ich zumindest felsenfest überzeugt!


Ich bin dennoch manchmal ein kleiner Angsthase. Stellte ich am Küchentisch fest. Vielleicht erinnerte man sich an meine „Orphan Black“ und „Downtown Abbey“ Phase im vergangenen Winter?
Zwei Serien die ich mit ihren einzigartigen Figuren liebte und warum auch immer nicht fertiggeschaut hatte.
Obwohl voller Euphorie geschaut, beide Shows mittlerweile ihr Ende gefunden hatten, habe ich eine bzw. zwei Staffeln vor Schluss einfach aufgehört zu schauen. … Angst vor dem Ende?


Unbeschwert und frisch saß ich stundenlang am Küchentisch!
Bis ich mich doch noch entschloss, dieses Gefühl und die angeschwemmten Erinnerungen - mit Hilfe des PC - als Blogeintrag festzuhalten.



„Guten Morgen! – Wer immer ihr auch seid?!“

26.8.20 05:50

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


"Rex-Mama" / Website (26.8.20 06:46)
Also gab es vermutlich nie ein Klassentreffen?
Schade, denn es wäre ja wirklich interessant zu wissen, was aus dem "Schmierlappen" geworden ist.
Hast du mal im Internet oder bei FB nach ihm geschaut? Ich an deiner Stelle würde vermutlich diesbezüglich vor Neugierde brennen.

Mit Ängsten ist das so eine Sache, vor allem die etwas diffuseren können einen ganz schön piesacken und ich habe inzwischen oft die Erfahrung gemacht, dass es das Beste ist, sich ihnen immer wieder zu stellen. Schafft man es, sie zu überwinden, stärkt das die ... hm, die Beziehung zu sich selbst ungemein, man fühlt sich sicherer und gewinnt dadurch vor allem auch an Freiheit und Lebensqualität.

Vielleicht ist es schon ein guter Schritt in die richtige Richtung, so etwas mal schriftlich festzuhalten, so wie du es gerade tust.
Daduch ist man unweigerlich gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen, und manches verliert schon einen guten Teil seines Schreckens, wenn es erst einmal ausgesprochen ist.

Liebe Erfolg-bei-allem-wünsche-Grüße von der

"Rex-Mama"


Sparköchin / Website (26.8.20 16:47)
Servus lieber lifeminder!

Hab erst nachlesen müssen, was gestern war ... grad gehts mir genauso: Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Heute beim dem-Bus-Nachrennen hab ich nachher fünf Minuten lang nach Luft geschnappt, und das mit Mund-Nasen-Schutz.

Leider klappts mit der Beherrschung bezüglich Essen momentan nicht ...

Was den "Schmierlappen" betrifft, gehts mir wie der Rex-Mama: ich wär schon längst im Internet gewesen und hätt Tante Google oder eher Tante Ecosia befragt

Herzliche Grüße
von der Sparköchin
(die gerade das Kind beaufsichtigt, während es seine erste Biskuitroulade fertigt)

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