"Telefon-Theorien"

In den vergangenen Tagen waren 24-Stunden nicht genug um einen Blog auf die Reihe zu bekommen? – Gute Ausrede, gelle?
Bemerkenswert, wie das - unter anderem - die liebe „Rex Mama“ und „die Sparköchin“ fast täglich mit tollen Geschichten, Erfahrungen und Anregungen schaffen.
Woher nehmen sie diese Energie und was treibt sie an?


Es gibt Verwandte die sieht man öfters und manche eben seltener.
Zu letztem zählen (für mich) eine Tante und ein Onkel die im Nachbarort beheimatet sind.

Seit ich denken kann, waren mir diese Tante und dieser Onkel immer ein Fragzeichen zu denen ich nie den gewünschten Zugang fand.
Das war nur sehr gering ihr Versäumnis.

Die zwei wirken schon etwas aus der Zeit gefallen, haben nichts, so wirklich gar nichts mit Computer und modernster Technik im Allgemeinen am Hut.
Besagte Onkel und Tante haben sich von der Außenwelt ziemlich stark abgekapselt und verlassen auch nur sehr widerwillig ihre Wohnung.

So wurde Vater – wie immer „, wenn der Baum“ brennt - zur Hilfe gerufen. Er solle das neue Telefon konfigurieren.

Ich leistete Vater am Abend Gesellschaft vorm PC, wir schauten uns etliche Lehrvideos bei bekannten und unbekannteres Plattformen – wie man das Telefon einrichtet - an.
 
Nachdem gestern, Vater das Telefon nicht zur Betriebsaufnahme bringen konnte, obwohl er, wie sich später herausstellte, den richtigen Riecher hatte, nur sich leider nicht getraut hatte, diese Idee auch in die Tat umzusetzen.

Vater meinte, vielleicht sollte man durch eine spitze Nadel, hinten am Gerät einen Neustart herbeiführen ?
Möglicherweise hätte sich das benötigte Telefonkästchen mit seiner Elektronik schlichtweg „aufgehängt.“
Mein Paps mochte jedoch nicht mit irgendeinem Gegenstand wild am Telefonkästchen herumdrücken. Zumindest nicht ohne 100%-tig sicher zu sein, dass diese Aktion auch von Erfolg gekrönt sein wird.

Wir wähnten und gut vorbereitet als wir zu Onkel und Tante aufbrachen.

Die erste Stunde werkelten wir besonders eifrig am Telefon herum.
Das heißt, eigentlich werkelte Vater, ich leistete eher moralische Unterstützung. Las u.a. ihm die Gebrauchsanweisung mehrmals laut vor.
Wir Gingen nochmals systematisch Schritt für Schritt die beiliegende Anleitung durch und fügten unser erworbenes Wissen - durch die „Tutorials (die „do it yourself“ Lehrvideos) - hinzu.

Vater hakte dann - nach einer großen Anzahl von gescheiterten Versuchen - doch beim Kundendienst des Telefonanbieters nach.
Ungemein Freundlich und zuvorkommend hörte man sich unser Problem an. Versuchte uns durch kompetente Beratung zum Erfolg zu führen.
Der Mann vom Kundendienst bat um einige Minuten des Abwartens, doch nach gut einer Viertelstunde wurde das Gespräch von der anderen Seite, warum auch immer, ohne ein Wort, beendet. Ich glaube, nicht, dass die Unterbrechung Absicht war, dazu wirkte der Bursche auf der anderen Seite zu motiviert und ehrgeizig.

Onkel und Tante hatten großzügigerweise Vater und mich nach fünfzehn Minuten alleine gelassen. Sich ausgesprochen still und ausgesprochen heimlich, ebenso ohne ein Wort vor den Fernseher im Nachbarraum verkrochen.

… uns – Papa und mir - war es gerade so recht.

Da wir innerhalb dieser Viertelstunde – auch wenn sie wahrscheinlich nicht ganz unrecht hatten – mindestens 50x die Ausdrücke: „Scheiß Technik“, „da ist etwas kaputt“ und „da muss vielleicht doch mal einer „von denen“ vorbeikommen“ im Wechsel uns anhören durften.

Beim zweiten Anruf beim Kundendienst bekamen wir eine noch fachkundigere Beratung.
Der Mann bat uns, sofort, eine lange Stricknadel oder eine Büroklammer zu holen, diese dann im direkten Anschluss hinten in das Gerät einzuführen, um es so neu zu starten.

Vaters Grinsen reichte von der einen Seite seines Ohres bei zum anderen. Fühlte er sich doch nun endgültig von seiner ehemals vagen Theorie bestätigt.


Ich wunderte mich gleich doppelt über die Tante.
Die – dafür hätte ich eine kräftige Schelle verdient, weil ich sie unterschätzte und es ihr ihr nie und nimmer zugetraut hätte – wusste wo Büroklammern in ihrem Haushalt zu finden waren.

Zum zweiten darüber, nachdem Vater den Neustart durchgeführt hatte, das Telefon mit dem Freizeichen, gott-sei-danke, endlich die langersehnte Einsatzbereitschaft signalisierte, die Tante - nach Vaters Anruf (mit seinem Mobilphone auf den nun funktionieren Apparat) und bitten - das Telefon abnahm, dabei jedoch nicht begriff, dass sie mit Papa, der nur einen knappen Meter von ihr entfernt stand, telefonierte.


Ich weiß nicht, ob Vater oder ich es eiliger hatten Tantes und Onkels Wohnung zu verlassen?
Wir brauchten nämlich keine fünf Minuten um unsere Sachen einzupacken und uns zu Verabschieden.
Das meine ich keineswegs gehässig oder bösartig. War aber fakt.  

Was mich beruhigt, dass ich offenbar nicht der einzige Mensch bin der hin und wieder nach einer unproblematischeren/reibungsloseren Welt sucht (und sich sehnt?). … und die, das ist mir auch klar, eigentlich ohne diese Technische Hilfsmittel NICHT einfacher war und ist.


Ich darf mich niemals – auch nicht im Alter – vor Menschen und der Welt entfernen.
Sondern will viel lieber versuchen noch neugieriger auf Menschen und die Welt zu werden. … ich liebe mein Leben und die Personen darin und werde beides für nichts hergeben.

Außerdem, dass man den einen oder anderen Regenschauer hinnehmen muss, ob man will oder nicht, das gehört dazu! … und wenn man noch sehr sein Leben liebt?!?
Die Sonne jedoch, auch wenn man es nicht wahrhaben möchte, gerade in diesen stillen, scheinbar ausweglosen Situationen und trostlosen Momenten,  scheint.

 

 

„Guten Morgen! – Wer immer ihr auch seid?!“

4 Kommentare 17.9.20 03:28, kommentieren

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