"Die Hüter der Erinnerungen"

Ich war ein wenig verblüfft, wie man mir - von nun auf gleich, ohne Vorwarnung - die Betreuung und Instandhaltung des Archives, meines Vereines, anbot.


Der nun bald ehemalige Leiter des Archivs orientiert sich aus Altersgründen anders.
Er zieht sich mit seiner Ehefrau - an seinen laut eigenen Worten „paradiesischen Alterswohnsitz“ - zurück. Dieser Ruhesitz liegt viele hundert Kilometer von der Vereins-Geschäftsstelle entfernt.

Das der Archivleiter mit dem Herzen noch nicht wirklich abgeschlossen hat, konnte man deutlich spüren. War er doch nicht bereit, die Schlüssel endgültig abzugeben. Sondern meinte, dass er diese nächste Woche beim Geschäftsführer für seinen Nachfolger hinterlegen werde.

Der ehemalige “Hüter der Erinnerungen“ führte mich ein wenig durch das Archiv. Öffnete die zahlreichen Schranktüren nacheinander.
Ich bekam Bildbände zu sehen. Fotoalben von deren bloßen Existenz – trotz meiner langen Zugehörigkeit des Vereines – ich nicht einmal etwas ahnte.

Es war großartig sich diese Bilder anzusehen.
Menschen die ich kannte. Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, doch offenbar - lange bevor überhaupt an mich zu denken war - mit ihrer Arbeitskraft, Moral, Ausdauer und nicht zuletzt als aktives Mitglied mit Herzblut den Verein unterstützten.

Bilder teilweise weit über vierzig Jahre alt. Kostbare Schätze. Erinnerungen an eine andere Zeit. Nicht unbedingt besser.
Vielleicht jedoch im Allgemeinen, wenn man den Fotos glauben schenken darf, etwas sorgloseren Jahren?
Ich verschlang die Fotos regelrecht mit meinen Augen und saugte die Geschehnisse darauf Häppchenweise auf.


Während ich durch die bunten Bildbände auf Wettkämpfe und Festveranstaltungen des Vereines zurückblickte, wurde ich gleich mehrfach von der Phantasie gefangengenommen wie viel Gutes man mit diesen Bildern tun und wie viel Freude man sicher damit schenken könnte, wenn man es nur richtig anstellt?
Viele dieser Menschen sind heute bereits über siebzig Jahre alt, es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich die fotografieren nicht über das ein oder andere unbekannte Bildchen, das unverhofft aus der Vergangenheit auftaucht und möglicherweise - die ein oder andere Erinnerung auffrischt -  freuen würden?
Nicht anders sieht es bei den jüngeren Jahrgängen aus.

Das Bilder einen berühren, ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können, wer wüsste das, nach all den Jahren die ich mit dem Fotoapparat auf den verschiedensten Veranstaltungen unterwegs war, besser wie ich?

Zuvor liegt jedoch ein Haufen Arbeit vor mir.
Die Bilder einscannen und für die Nachwelt konservieren. Möglicherweise herausfinden, wer die Menschen waren und sind? … mit nur ein wenig Glück bekommt man dabei die ein oder andere wunderbare Vereinsgeschichte zu hören und trifft auf den ein oder anderen Lebensbereichernden Menschen?

Ich glaube, ich hätte - auch wenn mein Terminkalender bereits jetzt aus allen Nähten platzt - richtig Lust mir dieses Amt mit allen seinen Aufgaben vollständig einzuverleiben.


Ich wäre sicher ein „Hüter der Erinnerung“ der versuchen würde das Gestern für heute lebendig und greifbar zu machen.
Vielleicht würde es sogar gelingen zusätzliche Motivation zu schüren und anderen zu zeigen was alles möglich ist, wenn man nur etwas Passion und Willen in sich trägt?



„Guten Morgen! – Wer immer ihr auch seid?!“

3 Kommentare 22.10.20 10:29, kommentieren

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